Dieser Artikel erklärt, was Snus und Nikotinbeutel sind, wie verbreitet ihr Konsum bei Jugendlichen in der Schweiz ist, welche gesetzlichen Regelungen gelten, welche Risiken bestehen und wie Eltern reagieren können, wenn sie den Konsum bei ihrem Kind vermuten oder feststellen.
Viele Nikotinprodukte sind heute bunt verpackt, aromatisiert und erzeugen keinen Rauch. Dazu gehören auch Snus und Nikotinbeutel. Sie werden nicht geraucht oder gedampft, sondern in den Mund gelegt. Dadurch bleibt ihr Konsum für Erwachsene oft weniger sichtbar und kann auf Jugendliche attraktiv wirken.

Snus und Nikotinbeutel werden zwischen Zahnfleisch und Lippe gelegt. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt so in den Blutkreislauf.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Zusammensetzung.
Die verfügbaren Daten zeigen, dass der Konsum von Snus bei Jugendlichen in der Schweiz zugenommen hat.
Daraus lässt sich ableiten, dass der Snus‑Konsum in den letzten Jahren angestiegen ist (Quelle).
Diese Zahlen müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden. In Befragungen ist nicht immer klar, ob Jugendliche tatsächlich Snus, Nikotinbeutel oder beides meinen. Im Alltag werden diese Begriffe oft durcheinander verwendet.
Jugendliche konsumieren Snus oder Nikotinbeutel aus unterschiedlichen Gründen.

In manchen Sportarten sind Snus und Nikotinbeutel besonders sichtbar. Das betrifft unter anderem Team- und Leistungssportarten wie Eishockey, Unihockey oder Fussball. Jugendliche verbringen dort viel Zeit mit Gleichaltrigen, orientieren sich an Vorbildern und werden von Gruppennormen beeinflusst.
Sportvereine, Trainer*innen und Leitende haben deshalb eine wichtige Schutzfunktion. Besonders wirksam ist eine gemeinsame, klare Haltung im Verein: kein Konsum von Snus oder Nikotinbeuteln vor, während und nach Trainings, Spielen, Lagern und Wettkämpfen im Nachwuchsbereich, dieselben Regeln für alle Teams, klare Konsequenzen; und eine gute Absprache zwischen Trainer*innen, Vereinsleitung und Betreuungspersonen.
Wichtig ist dabei, nicht nur Regeln aufzustellen, sondern auch die Teamkultur aktiv zu gestalten. Jugendliche sollen erleben, dass Leistung, Fairness, Teamgeist und Erholung ohne Nikotin möglich sind. Anerkennung entsteht durch Einsatz, Verlässlichkeit und gemeinsames Handeln – nicht durch den Konsum eines Suchtmittels.
Für Eltern kann es sinnvoll sein, den Sportverein einzubeziehen, wenn Snus oder Nikotinbeutel im Team ein Thema sind. Wenn Eltern, Trainer*innen und Vereinsverantwortliche dieselbe Haltung vertreten, sinkt der Druck auf Jugendliche. So kann der Sport Jugendliche stärken, schützen und ihnen gesunde Vorbilder vermitteln.
Seit Oktober 2024 ist die Abgabe von Tabak- und Nikotinprodukten an Personen unter 18 Jahren in der ganzen Schweiz verboten – in Geschäften, an Automaten und online.
Ein einfacher Klick auf «Ich bin 18» genügt dabei nicht: Anbieter müssen sicherstellen, dass Minderjährige keinen Zugang zu diesen Produkten erhalten.
Werbung für Tabak- und Nikotinprodukte darf sich nicht an Minderjährige richten und soll nicht dort erscheinen, wo viele Minderjährige erreicht werden – Zum Beispiel im Umfeld von Schulen oder auf bestimmten Online‑Kanälen.
Trotzdem bleiben diese Produkte für Jugendliche erreichbar. Sie gelangen beispielsweise über ältere Kolleg*innen, soziale Kontakte, das Internet, oder Verkaufsstellen mit ungegnügender Alterskontrolle an solche Produkte.
Der Konsum von Snus und Nikotinbeuteln ist mit verschiedenen Risiken verbunden:
Snus und Nikotinbeutel werden von der Tabak- und Nikotinindustrie gezielt so vermarktet, dass sie modern, harmlos und attraktiv wirken. Bilder, Farben, Design, Aromen und bestimmte Lebensgefühle spielen dabei eine wichtige Rolle. Verpackungen erinnern eher an Bonbons, Kaugummis oder Lifestyle-Produkte als an ein Suchtmittel.
Soziale Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Jugendliche begegnen solchen Produkten in Videos, Posts, Musik, Sport, Gaming, Memes oder Beiträgen von Influencer*innen. Manchmal steht das Produkt nicht im Mittelpunkt, sondern taucht beiläufig im Hintergrund auf. Gerade das kann wirksam sein, weil der Konsum dadurch als selbstverständlich wahrgenommen wird.

Für Eltern ist es hilfreich, diese Mechanismen zu kennen. Es geht nicht darum, Jugendlichen vorzuwerfen, dass sie „auf Werbung hereinfallen“. Jugendliche wachsen in einer Medienwelt auf, in der Produkte mit Identität, Zugehörigkeit und Coolness verknüpft werden.
Ein Gespräch kann deshalb mit Fragen beginnen wie: «Wer verdient daran?», «Warum sehen die Produkte so harmlos aus?» oder «Warum werden Produkte mit hohem Nikotingehalt mit fruchtigen Aromen und ansprechenden Farben vermarktet?». Solche Fragen können Jugendlichen helfen, Werbung kritisch zu hinterfragen und eine eigene Haltung dazu zu entwickeln.
Hinweise auf den Konsum können kleine runde Dosen, einzelne weisse oder bräunliche Beutel sowie leere Verpackungen sein. Zum Beispiel im Abfall, in Jackentaschen oder in der Sporttasche.

Manche Produkte haben einen intensiven Geruch oder Geschmack, etwa nach Minze, Beeren, Cola oder Energy-Drink, der an Kaugummi erinnert. Wenn Ihnen solche Hinweise auffallen, kann es sinnvoll sein, das Gespräch mit Ihrem Kind zu suchen.
Auch körperliche und psychische Anzeichen können auf den Konsum von oralen Nikotinprodukten hinweisen. Dazu gehören Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen, ungewohnte Unruhe, Schlafprobleme oder Reizbarkeit. Im Mund können Rötungen, weissliche Stellen oder gereiztes Zahnfleisch sichtbar sein insbesondere unter der Oberlippe, wo der Beutel platziert wird.
Eine hilfreiche Möglichkeit für den Gesprächseinstieg ist nicht mit einem Vorwurf oder Verhör zu beginnen, sondern mit einer offenen, neutralen Frage.
Statt direkt zu fragen: „Nimmst du Snus?“ kann eine offene Frage hilfreicher sein: „Ich habe gehört, dass Snus und Nikotinbeutel an vielen Schulen ein Thema sind. Ist das bei euch auch so?“
So entsteht eher ein Gespräch, in dem Ihr Kind erzählen kann, was es beobachtet oder denkt – ohne sich sofort verteidigen zu müssen.
Wenn Eltern entdecken, dass ihr Kind Snus oder Nikotinbeutel konsumiert, reagieren viele zuerst mit Sorge, Ärger oder Enttäuschung – das ist nachvollziehbar. Hilfreicher als Schimpfen oder Strafen ist jedoch, möglichst ruhig zu bleiben und das Gespräch zu suchen. Ein Streit kann dazu führen, dass Jugendliche ihren Konsum künftig eher verheimlichen, statt offen darüber zu sprechen.
Wichtig ist, die Gründe für den Konsum zu verstehen. Eine mögliche Frage kann sein: „Was gibt dir dieses Produkt? Geht es um Zugehörigkeit, Stress, Neugier, Langeweile, Leistungsdruck oder etwas anderes?". Wer das dahinterliegende Bedürfnis kennt, kann gezielter unterstützen.
Eltern dürfen dabei eine klare Haltung einnehmen: Nikotinkonsum ist gerade im Jugendalter nicht harmlos und kann gesundheitliche Folgen haben. Gleichzeitig hilft es gemeinsam nach Alternativen zu suchen: Wie lässt sich Stress anders bewältigen? Wie kann man mit Gruppendruck umgehen? Und wie kann Zugehörigkeit ohne Nikotin erlebt werden?
Im nächsten Schritt sind klare und faire Vereinbarung wichtig. Bei Minderjährigen ist der Verkauf und die Abgabe von Nikotinprodukten aus gutem Grund verboten. Diese Haltund darf ruhig, nachvollziehbar und konsequent vermittelt werden.
Wenn ihr Kind aufhören möchte, kann es helfen, gemeinsam konkrete Strategien zu entwickeln: In welchen Situationen ist die Versuchung besonders gross? Was könnte in solchen Momenten helfen? Wer kann unterstützen?
Manche Jugendliche schaffen es mit klaren Abmachungen und Unterstützung, früh gegenzusteuern. In anderen Fällen braucht es zusätzliche Hilfe – zum Beispiel, wenn täglich konsumiert wird, Entzugssymptome auftreten oder ein Aufhören trotz Wunsch nicht gelingt. Dann kann es sinnvoll sein, eine Fachperson wie die Hausärztin oder den Hausarzt, die Schulsozialarbeit oder eine Suchtberatungsstelle beizuziehen.
Wenn der Konsum regelmässig ist, Ihr Kind nicht aufhören kann oder Sie unsicher sind, kann fachliche Unterstützung hilfreich sein. Suchtberatungsstellen beraten nicht nur Jugendliche, sondern auch Eltern und andere Angehörige.
Mögliche Anlaufstellen sind die kantonalen Suchtberatungsstellen sowie SafeZone.ch für eine anonyme Online-Beratung.
Ein erster Schritt kann auch ein Gespräch mit der Schulsozialarbeit, einer Vertrauenslehrperson, der Kinder- und Jugendärztin oder dem Hausarzt sein.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Nikotinprodukte, bevor sie zum Thema werden. Fragen Sie, was in der Klasse, im Sportverein oder online gerade Thema ist, und zeigen Sie Interesse an der Lebenswelt Ihres Kindes.
Erklären Sie, warum Sie den Konsum ablehnen: nicht aus Kontrollbedürfnis, sondern weil Nikotin abhängig macht, der Entwicklung und der Gesundheit schadet und Jugendliche besonders empfindlich darauf reagieren.

Wenn Eltern selbst rauchen, snusen oder andere Nikotinprodukte konsumieren, ist ein Gespräch trotzdem sinnvoll – niemand muss perfekt sein. Ehrlichkeit hilft oft mehr als moralische Strenge. Ein Satz wie: «Ich weiss, wie schwer es sein kann, von Nikotin loszukommen. Genau deshalb wünsche ich mir, dass du gar nicht erst damit anfängst», kann oft glaubwürdiger wirken als ein Verbot ohne Erklärung.
Jugendliche brauchen Erwachsene, die Grenzen setzen und gleichzeitig ansprechbar bleiben. Beides gehört zusammen: Eine klare Haltung kann schützen, und eine gute Beziehung hilft, wenn es schwierig wird.
Snus und Nikotinbeutel werden von der Tabak- und Nikotinindustrie als diskrete, moderne und wenig riskante Produkte dargestellt. Dieser Eindruck täuscht. Viele Produkte enthalten Nikotin, teilweise in hoher Konzentration. Für Jugendliche ist das besonders problematisch, weil Nikotin rasch abhängig machen und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen kann.
Eltern können viel bewirken, indem sie informiert sind, aufmerksam bleiben, offen das Gespräch suchen, eine klare Haltung vertreten und bei Bedarf Unterstützung holen. Es geht nicht darum, Jugendliche blosszustellen oder zu verurteilen, sondern sie zu begleiten, zu stärken und vor einer Abhängigkeit sowie möglichen langfristigen negativen Folgen zu schützen.
Einen Überblick über alle Aktivitäten im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung finden Sie hier.
Einen Überblick über alle Aktivitäten im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung finden Sie hier.
Einen Überblick über alle Aktivitäten im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung finden Sie hier.
feel-ok.ch ist ein Angebot der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX, das Informationen für Jugendliche und didaktische Instrumente u.a. für Lehrpersonen, Schulsozialarbeiter*innen und Fachpersonen der Jugendarbeit zu Gesundheitsthemen enthält.
20 Kantone, Gesundheitsförderung Schweiz, das BAG und Stiftungen unterstützen feel-ok.ch.
Cookies werden für die Nutzungsstatistik benötigt. Sie helfen uns, das Angebot deinen Bedürfnissen anzupassen und feel-ok.ch zu finanzieren. Dazu werden einige Cookies von Drittanbietern für das Abspielen von Videos gesetzt.
Mit "Alle Cookies akzeptieren" stimmst du der Verwendung aller Cookies zu. Du kannst deine Wahl jederzeit am Ende der Seite ändern oder widerrufen.
Wenn du mehr über unsere Cookies erfahren und/oder deine Einstellungen ändern möchtest, klicke auf "Cookies wählen".
Cookies sind kleine Textdateien. Laut Gesetz dürfen wir für die Seite erforderliche Cookies auf deinem Gerät speichern, da sonst die Website nicht funktioniert. Für alle anderen Cookie-Typen benötigen wir deine Erlaubnis.