Das sagen die Eltern

Inhalt

Gesellschaftlichen Druck reduzieren

Eltern wollen eine möglichst gute Ausbildung für ihre Kinder. Sie sollen für die heutige erfolgsorientierte Arbeitswelt optimal vorbereitet sein. Der Druck der Gesellschaft ist hoch, möglichst schnell und gradlinig zum Ziel zu gelangen.

Doch – sich Zeit nehmen, Ausprobieren, die Ausbildung oder den Beruf wechseln – all dies bringt jungen Menschen viel mehr Nutzen als auf den ersten Blick angenommen.

Medien portraitieren gerne erfolgreiche junge Leute: «Mit 29 Jahren zur Professorin an der ETH ernannt.» «Mit 31 jüngste Filmproduzentin der Schweiz.» «28-jähriger Schweizer gründet eine Ferienwohnungsplattform – das am schnellsten wachsende Startup Europas.» Diese Meldungen widerspiegeln den Trend, immer mehr leisten zu müssen – auch wenn man noch ganz jung ist.

Normale Kinder haben auch Misserfolge

Alle Eltern möchten für ihre Kinder nur das Beste: Einen Schulabschluss und Lehrabschluss mit ausgezeichneten Noten und dann ein toller Einstiegsjob mit Aufstiegsmöglichkeiten. Oder sogar Matura, ein Studium und dann einen Chefposten in einer bekannten Firma. Dies alles möglichst ohne Pausen, Zwischenschritte oder Wiederholungen. Der Weg eines durchschnittlichen Jugendlichen in der Schweiz ist aber nicht so glänzend, wie uns die Medien aufzeigen möchten.

Sehr viele junge Menschen müssen eine Klasse wiederholen, schaffen den Sprung ans Gymnasium nicht oder werden in der Sekundarstufe in ein tieferes Niveau eingestuft. Auch Berufswechsel gehören zum normalen Leben dazu. In der Schweiz ist aber ein erfolgreicher beruflicher Weg auch möglich, wenn der Lebenslauf nicht gradlinig ist. Im Gegenteil: Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen und verschiedenartige Ausbildungsabschlüsse erhöhen sogar die Chance auf eine gute Stelle.

Was tun bei schulischen und beruflichen Schwierigkeiten?

Was können Eltern tun, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter in der Schule Mühe hat oder er/sie nicht den beruflichen Weg einschlägt, den sie sich für ihr Kind wünschen? Eltern mit onlinesüchtigen Söhnen oder Töchtern haben hier oft bereits schwierige Erfahrungen gemacht und viel dazugelernt. Sie raten zwei Dinge:

Erster Rat von Eltern: Jungen Menschen Zeit lassen

Junge Menschen haben viel Zeit! Sie sollten Verständnis und Geduld haben, wenn nicht alles wie am Schnürchen klappt. Den gesellschaftlichen Druck spürt Ihr Sohn oder Ihre Tochter genauso so wie Sie, nämlich sehr stark. Jugendliche brauchen deshalb Gelassenheit, Zuversicht und Vertrauen von ihren Eltern und nicht noch mehr Druck.

Ein Jugendlicher wählt einen Beruf oder eine Studienrichtung, ohne dass er vorher genau weiss, worauf er sich einlässt. Erst durch das Ausprobieren kann er überhaupt herausfinden, was zu ihm passt. Es ist eine Stärke zu merken, wenn etwas nicht das Richtige ist und einen Beruf zu suchen, der einen zufrieden macht. Denn erfolgreich im Beruf ist nur, wer glücklich mit seiner Berufswahl ist und seine Stärken optimal einsetzen kann.

Glücklicherweise leben wir in einem Land, in dem lebenslanges Lernen einen hohen Stellenwert hat. Dies ermöglicht es auch unentschlossenen jungen Menschen, unterschiedliche Ausbildungen zu machen und verschiedene Berufe auszuprobieren. Sie können sich trotzdem in den meisten Fällen erfolgreich in die Berufswelt integrieren – oder gerade weil sie so einen grossen Erfahrungsschatz mitbringen.

Zweiter Rat von Eltern: Erfolg gibt es auch an unerwarteten Orten

Junge Menschen brauchen Erfolgserlebnisse. Die Erfolgserlebnisse Ihres Sohnes beziehungsweise Ihrer Tochter sind aber nicht immer diejenigen, die Sie selber als Erfolg ansehen.

Nico zum Beispiel hat mit Ach und Krach die Matura geschafft und wollte anschliessend Medizin studieren. Die erforderlichen Zulassungsbedingungen hielten ihn jedoch davon ab. Schliesslich machte er ein Praktikum in einem Spital und entdeckte seine sozialen und pflegerischen Fähigkeiten. Sich um andere Menschen zu kümmern macht ihn glücklich. Das Gamen ist zwar noch immer da, doch nicht mehr an erster Stelle.

Weiter mit «Ihr Kind braucht Anerkennung»

Patronat
Autor/-in
Betroffene Mütter und Väter (anonym)
Daniela Heimgartner
Revisor/-in
Franz Eidenbenz

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