Erziehung und Beziehung

Inhalt

Die Rolle der Gleichaltrigen

Weil Freunde und Freundinnen für Jugendliche so wichtig sind, können sich Eltern ziemlich überflüssig vorkommen. Stehen Sie dem Freundeskreis des Kindes trotzdem positiv gegenüber. Er hat für die soziale Entwicklung Ihres Teenagers eine wichtige Funktion.

Obschon Eltern wichtige Ansprechpartner bleiben, ist es ganz normal, dass auch Gleichaltrige für Teenager wichtig sind. Treten Sie deshalb den Freundinnen und Freunden Ihres Kindes mit Wohlwollen gegenüber. Greifen Sie nur in absoluten Härtefällen ein. Denken Sie daran, dass Ihr Kind im Freundeskreis wichtige soziale Fähigkeiten lernt und in der Jugend manchmal wertvolle Freundschaften fürs Leben entstehen.

Lea und ihre Freundinnen aus der Schule sind unzertrennlich. Sie können stundenlang quatschen und unternehmen vieles gemeinsam.

Der beste Kumpel von Luca ist Jan. Die beiden kennen sich schon länger, Lucas Eltern bekommen ihn aber selten zu Gesicht. Denn die beiden treffen sich unter der Woche vorwiegend virtuell und gamen online miteinander.

Weshalb der Freundeskreis für Teenager so wichtig ist

Freunde und Freundinnen werden in der Pubertät immer wichtiger: Wie sie sich verhalten, was sie sagen, wie sie sich kleiden.

Im Freundeskreis können Teenager «dazugehören». Hier haben alle ähnliche Interessen und Probleme. Hier wird geübt, was Freundschaft bedeutet, wie man gemeinsam in der Gruppe klarkommt, wie sich junge Männer und junge Frauen verhalten. Und hier können junge Menschen über Themen sprechen, die in Gesprächen mit Eltern tabu sind.

Freunde und Freundinnen sind keine Konkurrenz

Sehen Sie den Freundeskreis Ihres Teenagers nicht als Konkurrenz, sondern als wichtigen Bestandteil für die Entwicklung Ihres Kindes. Es lernt viel über sich selbst und über die Vielfalt an menschlichen Beziehungen.

Heissen Sie die Kolleginnen und Kollegen bei sich zu Hause willkommen. So lernen Sie diese kennen und erhalten Einblick, wie die Gruppe Ihres Kindes funktioniert.

Die Sache mit dem Gruppendruck

Viele Eltern merken, dass ihr Kind vom Freundeskreis beeinflusst wird, sei dies nun positiv oder negativ. Das kann sich bei der Sprache, bei der Kleidung oder bei Hobbies zeigen.

Eltern können in der Regel darauf vertrauen, dass die Kinder einen guten Umgang mit Gruppendruck schaffen. Sie sollten auch bedenken, dass Teenager in der Gruppe üben können, zu ihrer eigenen Meinung zu stehen und die eigenen Werte zu verteidigen.

Bemerken Sie jedoch, dass sich Ihr Teenager in gewissen Situationen unwohl fühlt, besprechen Sie mit ihm, welche Versuchungen oder Schwierigkeiten auftauchen könnten.

Verantwortung in der Gruppe

Neben dem gemeinsamen Spass gilt es auch, in der Gruppe Verantwortung füreinander zu übernehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Teenager deshalb darüber, wie im Freundeskreis gegenseitig zueinander geschaut wird. Was zum Beispiel getan werden kann, wenn jemand Liebeskummer oder zu viel getrunken hat.

Der «schlechte Einfluss» – Wann und wie eingreifen?

Eltern dürfen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie den Freundeskreis ihres Kindes bestimmen und kontrollieren können. Deshalb heisst es in der Regel: Nicht eingreifen.

In besonderen Fällen müssen Sie aber reagieren. Zwei Beispiele:

  • Mobbing:
    Mädchen grenzen aus, Jungen werden aggressiv. Verändert sich Ihr Kind und Sie haben einen begründeten Verdacht, sollten Sie einschreiten. Informieren Sie sich über Mobbing, sprechen Sie Ihr Kind darauf an und entwickeln Sie gemeinsam Massnahmen. Wenden Sie sich allenfalls an die Schule und, falls Sie unsicher sind, an Fachpersonen. Handelt es sich wirklich um Mobbing und nicht um übliche Konflikte, können junge Menschen die Situation in der Regel nicht selber lösen.

  • Anstiftung zu kriminellen Handlungen, Drogenkonsum, übermässiges Risikoverhalten (Aufnahmerituale, Mutproben …):
    Auch hier müssen Sie handeln. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ihre Beobachtungen und Sorgen. Zum Beispiel so: «Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass du … Deshalb mache ich mir grosse Sorgen. Ich möchte nicht, dass … passiert. Wir müssen … abmachen». Oft ist es hilfreich, in solchen Situationen Unterstützung bei Experten (z.B. bei Fachstellen über radikale Gruppierungen oder bei Suchtberatungsstellen) zu suchen.

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